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09. März 2010 | Reden

10. EUROFORUM-Jahrestagung „Chemie- und Industrieparks“ Köln

Aus den Ausführungen von Dr. Axel C. Heitmann, Vorstandsvorsitzender der LANXESS AG

Guten Tag, meine sehr geehrten Damen und Herren, und herzlich Willkommen in Köln!


In den zurückliegenden 25 Jahren hat - auch in der Chemieindustrie -  ein grundlegender Wandel stattgefunden. Man könnte fast von einer Revolution sprechen.
Diese Revolution hat einen Namen: Strukturwandel!


Dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass sich innerhalb des letzten Vierteljahrhunderts fast alle wichtigen Konglomerate der chemischen Industrie aufgelöst haben. An ihre Stelle sind neue, eigenständige Unternehmen getreten: zum Beispiel die LANXESS AG, für die ich heute hier spreche. Genauso gut können Sie in diesem Zusammenhang aber auch an die Aufteilung der Höchst AG denken.


Einhergegangen mit dieser Entwicklung ist die Entstehung so genannter Chemieparks - von außen betrachtet kaum mehr als ein neues gemeinsames Dach über den altbekannten Industriegeländen - nur mit dem Unterschied, dass unter diesem Dach nun eben mehrere rechtlich selbständige Unternehmen versammelt sind.


Wer aber etwas genauer hinschaut, der erkennt schnell: Chemieparks sind weit mehr als nur ein gemeinsames Dach. Sie sind immer auch eine logistische und produktionstechnische Herausforderung. Denn: 


Was rechtlich getrennt wurde, gehört doch produktionstechnisch meist weiterhin zusammen. 


Mehr noch: 

Gerade in der Chemieindustrie sind die Teile des Ganzen nicht selten untrennbar miteinander verwoben und sehr eng aufeinander angewiesen.


Von daher war es zunächst kein Wunder, dass neue große Chemieparks in Deutschland zuerst dort entstanden, wo ein wirklich neues Kapitel in der Standortgeschichte aufgeschlagen wurde, nämlich im Osten der Republik: In Bitterfeld und Leuna entstanden aus den ehemaligen Kombinaten bereits Anfang der neunziger Jahre die ersten Chemieparks.


Die alten Bundesländer allerdings zogen schnell nach. Denn hier drängten die Zeit und der Wettbewerb. Gesucht waren neue Lösungen, die mehr Produktivität und verbesserte Wirtschaftlichkeit versprachen. 


Dazu wurden vor allen Dingen Kern- und Nebengeschäfte konsequent getrennt. Es entwickelten sich reine Infrastruktur- und Dienstleistungsanbieter, die selbst über keinerlei chemische Produktionsanlagen verfügten.


Dementsprechend finden Sie im Markt heute reine Service- oder Betreibergesellschaften, die die Verantwortung für den Betrieb eines Chemieparks komplett übernehmen. Ihr Angebotsspektrum reicht dabei von Anlagenplanung und -bau über Wartung, Instandhaltung und Analytik-Services bis hin zu Einkauf, Logistik, Entsorgung oder Aus- und Weiterbildung. 


Das heißt: 

Was früher Randgeschäft war, ist für diese Gesellschaften heute das Kerngeschäft. Das gleiche gilt auch für die Unternehmen in den Chemieparks selbst. 


LANXESS selbst ist dafür eines der besten Beispiele: 

Die Chemiegeschäfte, die früher bei Bayer eher ein Schattendasein führten, sind bei LANXESS ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt und völlig neu aufgestellt worden.


Bei uns wie auch andernorts bedeutet das ein völliges Umdenken, einen kompletten Kulturwandel. Leistung spielt heute eine ganz neue Rolle. 


Und es mussten auch sonst völlig neue Kompetenzen und Strukturen geschaffen werden.


Während diese Prozesse heute weitgehend abgeschlossen sind, ist jetzt die nächste Stufe der Entwicklung zu beobachten: Die  Fokussierung und Spezialisierung der Dienstleistungen und der Produktionen innerhalb eines Chemieparks. Die einzelnen Unternehmen dort schärfen ihr Profil und bieten speziell auf die Bedürfnisse der Chemieparkunternehmen angepasste Leistungen an. Ein Trend der dringend notwendig ist, da Chemieparks neben einer kritischen Größe auch zwingend über ein profiliertes Angebotsportfolio verfügen müssen. 


Nur so bleibt der Standort auf lange Sicht attraktiv.


Auch europaweit lässt sich dieser Trend beobachten: Weg vom Commodity-Portfolio, hin zu hochwertigen Chemieprodukten und Lösungen. 


Und  natürlich zeigt sich auch hier der - wenn Sie so wollen - "Fluch der guten Tat": 


Mit jedem Fortschritt in dieser Richtung steigen auch wieder die Erwartungen der Nutzer! Sie wünschen sich immer speziellere, individuellere Angebote. 


Das ist seit Jahren zu beobachten und wird sich so auch noch viele Jahre fortsetzen – eine Tatsache, auf die sich Standort-Dienstleister - ganz gleich welcher Art - also rechtzeitig und konsequent einstellen müssen, wenn sie langfristig im Geschäft bleiben wollen.


Chemieparks sind allerdings keine auf Europa und Deutschland beschränkte Erscheinung! Die aufgeführte Darstellung zeigt die  aktuellen Epizentren der internationalen Chemieparkaktivitäten. Chemieparks sind weltweit verbreitet mit einer verstärkten  Konzentration auf Europa und Deutschland. Zukünftige Entwicklungen deuten jedoch darauf hin, dass mit einem starken Wachstum in den BRIC-Staaten, insbesondere in China, Indien und einigen arabischen Ländern zu rechnen ist. Diese Chemieparks unterscheiden sich deutlich von den europäischen Parks.


Denn: Hier waren die Parks eine Re-Aktion auf veränderte Umstände. Dort entstehen Chemieparks neu. Sie werden am Reißbrett von Grund auf geplant. 


Und: 

Sie werden dort aktiv von Regierungen als Standortinvestitionen subventioniert!


Zunächst aber zurück zur Situation in Deutschland: Hier variieren die Chemieparkzahlen je nach dem, welche Produktionsverbünde als Chemiepark gewertet werden und liegen zwischen 40 und 60.


Immer mehr rückt dabei die Energieversorgung in den Mittelpunkt. Gerade bei energie-intensiven chemischen Verfahren belaufen sich die Energiekosten auf bis zu 60 Prozent der gesamten Produktionskosten. Lassen sich hier Einsparungen im Chemieparkverbund realisieren, hat dies einen positiven Effekt auf alle beteiligten Unternehmen.


Dasselbe gilt für alle anderen Bereiche im Leistungsangebot der Betreibergesellschaft, die kooperativ nutzbar sind. Die Praxis zeigt: Hier können - Dank der Skaleneffekte bei den Betreibern - Kosten nachhaltig gesenkt und damit die Wettbewerbspositionen des Standorts Deutschland erhöht werden.


Das gilt im Prinzip für alle Park-Lösungen, auch wenn im Einzelnen sehr unterschiedliche Konzepte verwirklicht werden. 


So finden sich zum einen unabhängige und eigenständige Chemieparks, die aktives Standortmarketing betreiben und zu keinem ansässigen Konzern gehören. Zum anderen gibt es integrierte Chemieparks, die rechtlich in Verbindung - meistens mit dem Hauptnutzer - stehen. Als weiterer Akteur im deutschen Chemieparkgeschäft treten spezialisierte Unternehmen - wie beispielsweise Energieversorger und Immobilienverwalter - auf, die durch eine Erweiterung des Geschäftsfeldes auf Chemieparks ihr Primärgeschäft stützen und stärken wollen.


Von nahezu jedem Betreiber werden dabei die obligatorischen Betriebsleistungen erbracht  - allerdings zeigen sich bei fakultativen Leistungen erhebliche Unterschiede in Umfang und Güte. Eine Tatsache, die die Frage aufwirft, ob es möglicherweise so etwas wie den idealen oder doch den besten Chemieparkbetreiber geben könnte.


Wie geeignet sind beispielsweise erstens Finanzinvestoren als potenzielle Eigentümer von Chemieparks? 


Denn natürlich sind die Parks für sie eine Investitionsmöglichkeit wie jede andere Beteiligung auch. Die Rendite der Investition lässt sich dabei - besonders bei geringer Haltedauer - durch die Realisierung kurzfristiger Potenziale steigern.


Genau das aber passt in der Regel nicht zum langfristig angelegten Chemieparkgeschäft.


Spezialisierte Infrastrukturanbieter - zweitens - versuchen durch die Ausweitung ihrer Aktivitäten auf das Chemiepark-Business das eigentliche Geschäft zu stärken. Dementsprechend liegen die Kernkompetenzen bei den meisten Anbietern in anderen Bereichen. Auch bei Investitionen in Chemieparkinfrastruktur zeigen sich spezialisierte Anbieter erfahrungsgemäß eher zurückhaltend - Investitionen finden primär im Kerngeschäft statt und flankieren somit nur die Standortservices. Teilweise werden einzelne Dienstleistungen von Subunternehmen bezogen, was wiederum die Komplexität bei Koordination und Organisation der Standortservices erhöht.


Die dritte Gruppe - integrierte Standortdienstleister - konzentriert sich indes auf die Bedürfnisse des Kernkunden. Dies zeigt sich bei Investitionen wie auch beim Dienstleistungsportfolio. Dem Primärkunden nutzt dies, da das mit Standortservices verbundene wirtschaftliche Risiko auf mehrere Schultern verteilt wird und weil sich Skaleneffekte erzielen lassen. Von den Skaleneffekten profitieren zwar auch andere Kunden, jedoch finden diese häufig ein wenig auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Dienstleistungsportfolio.


Die vierte Gruppe der unabhängigen Standortbetreiber - besteht in der Regel aus Eigentümern. Durch die Konsolidierung von einzelnen Dienstleistungssegmenten versuchen sie, Skaleneffekte zu erzielen, um den Kunden Kostenvorteile zu verschaffen. Sie können zwischen modularisierten Dienstleistungen auswählen und sich ein für ihre Bedürfnisse optimiertes Dienstleistungsbündel zusammenstellen. 

Durch gezielte langfristige Ansiedlungspolitik und nachhaltige Infrastrukturinvestitionen wird die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen sichergestellt.


Mit anderen Worten: Die unabhängigen und langfristig orientierten Standortbetreiber scheinen sich als die "Best Owner" für Chemieparks zu qualifizieren.


Entscheidend dafür, ob sich gemeinsam mit solchen Partnern eine Win-Win-Situation ergibt, sind die Investitionen in die Infrastruktur.  


Denn: Gerade auf diesem Gebiet zeigen sich Chemieunternehmen - nicht erst seit der Finanzkrise - eher zurückhaltend. Sie stehen unter dem enormen Druck, die Kapitalproduktivität zu erhöhen. Und investieren deshalb im Zweifel lieber in Produktionsanlagen. 


Nichtsdestotrotz  entscheidet sich die Wettbewerbsfähigkeit auch - und nicht zuletzt -  an einer funktionierenden Infrastruktur.


Aus diesem Dilemma weisen die Chemieparks den Unternehmen einen Königsweg - eben durch die Aufteilung der Investitionsumfänge auf Chemieunternehmen und Service-/ Infrastrukturdienstleister. Für die Standortbetreiber kommt es dabei darauf an, wettbewerbsfähige Leistungen anzubieten und Synergiepotenziale möglichst optimal auszuschöpfen - eine Aufgabe freilich, bei der kleinere Standorte oft ins Hintertreffen geraten; bei größeren Verbund-Standorten bestehen hingegen meist ausreichend positive Effekte und die Realisierung von  Synergiepotenzialen gelingt einfacher.


All diese Aspekte sind für eine effiziente Partnerschaft auch dann ausschlaggebend, wenn ein Chemiepark "auf der grünen Wiese" geplant und realisiert wird, was - wie gesagt - insbesondere in den Schwellenländern und dort insbesondere in China und Saudi Arabien der Fall ist.


Als besonderer Vorteil kommt hier dazu, dass sich bei einer Planung am Reißbrett die Infrastrukturmaßnahmen ganz gezielt auf die Bedürfnisse einzelner Kunden oder Industriesegmente ausrichten lassen.


Außerdem bieten nicht selten die staatlichen Förderungen in diesen Ländern schon einen erheblichen Anreiz - auch für deutsche Unternehmen - sich in grünen Wiesen Parks anzusiedeln.


Allerdings stehen diesen Vorteilen auch Nachteile gegenüber, insbesondere die Tatsache, dass auf der grünen Wiese eben nicht auf bestehende Systeme und erprobte Prozesse zurückgegriffen werden kann. 


Und: Wo mehrere Unternehmen gleichzeitig ihre Produktion starten, stellen sich natürlich ganz besondere Herausforderungen an die Koordination und Verknüpfung der Produktions- oder Serviceeinrichtungen.


Wie es im besten Fall dennoch funktioniert, zeigt beispielhaft der Grüne Wiese Park Jurong Island in Singapur.


Der Park befindet sich auf einer 30 Quadratkilometer großen künstlichen Insel und beherbergt unter anderem Unternehmen wie Air Products, Akzo Nobel, Huntsman und bald auch LANXESS. 


Die quantifizierbaren Einsparungen belaufen sich auf 25 bis 50 Prozent der Kapitalausgaben und 10 bis 15 Prozent der Logistikkosten. Darüber hinaus profitieren die Unternehmen vom intensiven Austausch mit den Wissenschaftszentren in Singapur wie beispielweise dem Institute of Chemical and Engineering Science.


Forciert wird die Entstehung dieser neuen Parks in den Schwellenländern nicht selten durch Rohstoff-Funde und - in der Folge - durch die Unterstützung ausländischer Investoren. In globaler Perspektive spielt dabei neben China vor allem Indien eine immer wichtigere Rolle.


Vielfältige Indikatoren wie der Anstieg des BIP sowie die  anhaltende Verlagerung der Kundenwertschöpfung nach Indien ermöglichen dieses Wachstum.


Auch Langzeitprognosen deuten auf eine weitere positive Entwicklung hin und belegen, dass Indien bis 2030, 

gemessen am BIP, von derzeit zehnter Position auf die dritte Position hinter den USA und China vorrücken wird. Für Chemieunternehmen wird Indien deshalb als Absatzmarkt und auch als Initiator von Innovationen immer stärker an Bedeutung gewinnen.


Für deutsche Chemieunternehmen kann sich hieraus ein starker Wachstumsimpuls ergeben, wenn sie sich ihrer Kernkompetenzen, ‚hohe Qualität’‚ ‚spezifische Befriedigung von Kundenanforderungen’ und ‚Kundenorientierung’ sowie die ‚Bereitstellung von produktbegleitenden Dienstleistungen’ besinnen.


Demgegenüber stehen spezifische indische Herausforderungen:Stärkere internationale Vernetzung und damit einhergehende Importmöglichkeiten versetzen indische Unternehmen zunehmend unter Effizienzdruck. Import von zunehmend teureren Rohstoffen und ungenügende Fertigungskapazitäten betreffen gerade indische Chemieunternehmen. Die unterentwickelte indische Infrastruktur bei gleichzeitig großen räumlichen Entfernungen steht dem Wachstum der Chemieindustrie in Indien entgegen.


Indien hat diese Missstände zum Teil bereits erkannt und steuert gegen - etwa durch die gezielte Förderung von Chemieparks!


Insgesamt  250 Quadratkilometer sogenannter „Petroleum, Chemicals and Petrochemicals Investment Regions“ sind derzeit geplant - inklusive der physischen Infrastruktur wie Straßen, Schienen, Telekommunikation sowie Energie und Wasserver- und Entsorgung.


Indiens chemische Industrie folgt auf diese Weise mit einiger zeitlicher Verspätung der dynamischen Entwicklung Chinas - auch wenn sich im Einzelnen interessante Unterschiede zwischen den beiden Ländern ausmachen lassen:


China hat auf stetigem Wege versucht, die nachgelagerten, veredelnden Wertschöpfungsstufen zu erschließen. Indien hingegen nutzt bestehende Stärken im Bereich der endkundennahen chemischen Produktion, also in den Segmenten Spezialchemie, Pharma und Agrochemie, um sukzessive, die bis dato weniger ausgeprägten vorgelagerten Segmente Petro- und Basischemie am Standort zu fördern.


Hierzu werden die positiven Erfahrungen Chinas bei der Einführung von integrierten Grüne Wiese Chemieparks im Weltmaßstab genutzt.


Meine Damen und Herren, verglichen mit den Grüne Wiese Parks scheinen die Migrationsparks, wie sie in Europa und insbesondere hier in Deutschland während der letzten 25 Jahre entstanden sind, auf den ersten Blick weniger attraktiv. Dieser Eindruck allerdings täuscht.


Denn: Auch die Ausgründung von Chemieparks aus ehemaligen Single User Sites kann zahlreiche Vorteile mit sich bringen:


Die Infrastruktur und Verkehrsanbindungen bestehen in den existierenden Parks bereits und müssen nicht langwierig und kostspielig erschlossen werden.


Ebenfalls existiert bereits eine funktionierende und etablierte Ver- und Entsorgungsstruktur.


Zudem bietet sich für Hersteller von Zwischenprodukten der Vorteil, dass bereits ein Verbund von Lieferanten und Abnehmern besteht und die räumliche Nähe Transporte nahezu obsolet machen. Dies verschafft den Unternehmen Kosten- und Zeitvorteile.


Bereits angesprochen wurde der Vorteil durch die Realisierung von Skaleneffekten anhand von Shared Services.


Wichtig jedoch ist, dass diese Vorteile nicht durch Fehler an anderer Stelle konterkariert werden.


Eine zu starke Filetierung der Industrieparkleistungen etwa, zum Beispiel durch den Verkauf an mehrere spezialisierte Unternehmen aus den Bereichen Energieversorgung, Abfallmanagement, Immobilien, Facility Services, technische Instandhaltung, Logistik etc. ist zu vermeiden.


Viele der genannten Dienstleistungen sind so stark durch interne Leistungsbeziehungen miteinander verflochten, dass eine solche Lösung nebst massiven Doppelspurigkeiten auch zu einer merkbaren Erhöhung der Komplexität beim Kunden führt und den Chemiepark als Ganzes in seiner Attraktivität schmälert. Sind Chemieparks nicht optimal auf ein Chemiesegment ausgerichtet erhalten die Hersteller nicht die optimale Unterstützung ihrer Primärprozesse. Durch die Langfristigkeit der meisten Verträge sind die Unternehmen auch in ihrer Flexibilität bei Verlagerungen und Portfolioveränderungen eingeschränkt.


Diese Risiken müssen nicht in vollem Umfang eintreten, sollten jedoch bei der langfristigen Planung und bei Standortentscheidungen mit ins Entscheidungskalkül gezogen werden.


Meine Damen und Herren, vergleicht man nun Chancen und Risiken, Vor- und Nachteile der Migrationsparks an den klassischen Chemiestandorten mit den Grüne Wiese Parks an den BRIC-Standorten, dann zeigt sich ein vergleichsweise ausgewogenes Bild:


Migrationsparks haben prinzipiell Vorteile bei Verbundeffekten und Stoffstromentitäten sowie bei bestehenden Betriebserlaubnissen.


Grüne Wiese Parks sind indes bei der Spezifizität der Infrastruktur, bei Synergie- und Skaleneffekten, bei staatlichen Subventionierungen sowie bei der Fokussierung des Dienstleistungs-Portfolios im Vorteil.


Zumeist ausgeglichen ist die Situation bei der Kundenorientierung und dem Standortmarketing. Hier zeigen sich lediglich individuelle Schwankungen je nach Betreiber.


Insgesamt ist festzustellen: Zukunftsfähige Chemieparkkonzepte brauchen die fokussierte Ausrichtung auf Belange der ansässigen Unternehmen.


Neben einer kritischen Größe der Chemieparks ist dazu vor allem der klare Fokus auf bestimmte Segmente der chemischen Industrie, auf bestimmte Produkt- und Anwendungsgruppen essentiell für die ökonomische Ausgestaltung.


Nur durch eine solche eindeutige Ausrichtung lassen sich gerade bei Ver- und Entsorgung Synergiepotenziale steigern, spezifisches Know-how der Standortbetreiber erweitern und Vorteile durch enge Verknüpfungen im Stoffverbund realisieren.


Und genau das braucht die Chemie- und Pharmaindustrie am Standort Deutschland, wenn sie auf lange Sicht wettbewerbsfähig bleiben soll.


Globale Märkte und internationale Rahmenbedingungen sind immer schnelleren und stärkeren Zyklen oder zyklischen Abläufen unterworfen - Standortbetreiber müssen daher die Fähigkeit mitbringen, die Infrastruktur frühzeitig aktuellen Anforderungen anzupassen.


Dabei ist davon auszugehen, dass es in Europa zu keinen weiteren Neugründungen von Chemieparks kommen  wird. Vielmehr ist das Potenzial bestehender Infrastruktur durch Best Owner Konzepte gezielt auszuschöpfen und eine Win-Win-Situation für alle Beteiligte herzustellen.


Wichtig ist dabei insbesondere die Energieversorgung, denn international wettbewerbsfähige Energiepreise stellen einen Erfolgsfaktor für die Chemie und Pharmaunternehmen dar. 


Hier sind natürlich auch die Unternehmen selbst gefordert, mit knapper werdenden Ressourcen verantwortungsbewusst umzugehen und verstärkt auf regenerative Energiequellen zu setzen.


Eines, meine Damen und Herren, ist klar: 


dass sich die Vernetzung in der Region um Chemieparks im Hinblick auf Innovationen und Kreativität schon heute bezahlt macht. 


Denn: Die Industrie findet durch dieses Modell Dialogpartner, die Innovationen positiv beeinflussen.


Als namhaftes Beispiel in Deutschland lassen sich die „Currenta“ Chemieparks in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen anführen. Die ansässigen Unternehmen haben dort mit Technischen Hochschulen, Fachhochschulen, der Max-Planck-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und Frauenhofer-Instituten wichtige Diskussionspartner auf Augenhöhe.


Außerdem sind neue Partner jederzeit herzlich willkommen. Hierfür ist ein abgestimmtes und harmoniertes Vorgehen von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erforderlich. 


Denn: Nur durch aktive Standortpolitik der Interessengruppen kann diese Region ihre Attraktivität für aktuelle und zukünftige Investoren aufrechterhalten. 


Und genau das brauchen wir für eine erfolgreiche Zukunft der industriellen Chemie in Deutschland.


Vielen Dank.


Zukunftsgerichtete Aussagen

Diese Presseinformation enthält bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung der LANXESS AG beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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